Sonntag, 15. November 2009

Post812

Dänischer Lama Ole Nydahl spricht über westlichen Buddhismus vor 550 Besuchern in der Kongresshalle

(hsc). Ein Vortrag über "Buddhismus im Westen" könnte in einer Universitätsstadt kaum auffallen, bewegte aber 550 Menschen zum Besuch der Kongresshalle. Dort erwies sich der Auftritt des Lama Ole Nydahl als heiteres, stellenweise erhellendes und interessantes Erlebnis: Der Mann kann nicht nur erzählen, er regt auch intensiv zum Nachdenken an.

Lama ist ein Lehrtitel, der 68-jährige dänische Buddhist mit einem Händedruck wie ein gebremster Schraubstock reist durch die Welt und gibt die Lehre Buddhas weiter. Er studierte in Kopenhagen Englisch, Deutsch und Philosophie, einige Semester auch in Tübingen und München. Nach einem Besuch in Nepal fand er 1968 zum Buddhismus. Er spricht ein saloppes, aber präzises Deutsch mit einem gemütlichen norddeutsch-skandinavischem Akzent, sagt öfters "Ne?" und lächelt ab und zu. Er strahlt Gelassenheit aus, das ist der erste Eindruck, und dabei bleibt es. Und Nydahl ist nicht der einzige. Die meisten Besucher wirken ebenfalls ungewöhnlich entspannt und fröhlich und gehen auffällig respektvoll miteinander um - es ist eine angenehme Atmosphäre.

Nydahl Thema ist der besondere westliche Weg des Buddhismus, der "Diamantweg". Warum der Name? "Weil ein Diamant fast unzerbrechlich ist und in der Farbe seines jeweiligen Untergrunds leuchtet." Diese westliche Bewegung ist "erst 30 Jahre alt", sagt Nydahl. In Deutschland gibt es 140 buddhistische Zentren von 600 weltweit.

Es gehe darum, "alle Fähigkeiten des Menschen zur Blüte und Vereinigung zu bringen." Eine Religion sei der Buddhismus nicht, auch keine Philosophie. "Das ist toll, ein System, das alles erklärt: man muss nichts glauben, sondern kann alles sehen." Es geht darum, glücklich zu werden. Er wendet sich gegen "Zorn, Anhaftung, Verwirrung, auch gegen politisches Korrektsein." Und sagt an die Muslime gerichtet ganz ruhig, dass "Menschen, die hier unsere Freiheit und Vorteile genießen, die auch an ihre Familienmitglieder weitergeben sollen. Sonst laufen unsere Töchter womöglich auch mal in Zelten herum."

Die meisten Ratschläge Nydahls zielen darauf ab, "Störgefühle" wie falschen Stolz, Neid, Angst oder Zorn zu überwinden. "Weil sie uns stören", erklärt er, ganz einfach. Auch die komplexeren Aussagen Nydahls oder Buddhas zeichnen sich letztlich immer dadurch aus, dass es darum geht, sich selbst und anderen wohlzutun. In der verblüffenden Unaufdringlichkeit, mit der er das sagt, kann man es gut an sich heranlassen.

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